Die EU Milchquotenregelung mit 1. April 2015 beendet

Ende EU Milchquotenregelung

Abschaffung der EU Milchquote seit 1. April 2015

Hintergrund zur Milchquotenregelung: 1984 hat der EG-Ministerrat die Einführung der Milchquote beschlossen. Grund waren die in der EG durch jahrelange Milchüberschüsse erzeugten hohen Lagerbestände an Butter- und Milchpulver. Dieses System half neben anderen marktwirtschaftlichen Eingriffen, die Überproduktion in Österreich und in Europa in den Griff zu bekommen. Damit war zwar keine optimale, aber doch eine bessere Preisentwicklung für die Milchproduzenten möglich. Im Zuge der EU-Agrarreform wird diese Milchquotenregelung nun ab dem 1. April 2015 abgeschafft.

Milchbauer beim Melken
Beste Käsequalität bringt frische Heumilch aus der Alpenregion Bregenzerwald

Warum kommt das Milchquotenende?

In rund 20 der 28 Mitgliedsländern der EU wird nicht so viel Milch produziert, wie ihnen in ihren Landeskontingenten zur Verfügung steht. Damit hatten sie nur die Bürokratie der Quotenverwaltung ohne marktwirtschaftliche Wirkung. So hat die EU vor Jahren mit großer Mehrheit die Abschaffung dieses Systems beschlossen.

Die Milchbauern sind damit nun wieder dem freien Markt nach Angebot und Nachfrage ausgesetzt.

Von vielen Milcherzeugern wird diese „alte und wieder neue“ Situation unterschiedlich bewertet. Aufgeregte Diskussionen waren die Folge. Was nun auf alle zukommt, welche Risiken und Chancen entstehen, wird nicht nur die Zukunft entscheiden, sondern auch das Kaufverhalten der Konsumenten.

Freiheit bei Milch und Milchprodukten

Man könnte das Ganze vielleicht aber auch völlig anders sehen. Beispielsweise könnte das Ende der Milchquotenregelung mehr unternehmerische Entscheidungsfreiheit über die zu erzeugenden Milchmengen und Folgeprodukte bedeuten? Vielleicht kommt es vermehrt zu kooperativen Zusammenschlüssen von Bauern mit Ausrichtung auf Premium Qualitätsprodukte mit besonderer Vermarktung? Vielleicht würde mehr Verantwortung für die Entwicklung von Qualitätsprodukten in Nischen, die nicht  so von den Schwankungen des Milcherzeugerpreises abhängen, auch neue Chancen bedeuten?

Vermutlich wird die Liberalisierung des Milchmarktes besonders die industrielle Milcherzeugung feiern. Diese große Milchbranche ist sicher nicht uninteressiert daran, die Erweiterung des Geschäfts durch preisliche Verdrängung im Inlandsmarkt und durch Exporte ins Ausland zu pushen.

Im derStandard.at war für Österreich dazu zu lesen (Zitat):

Österreich hat in den letzten Jahren die Milchproduktion stark ausgeweitet. Der Selbstversorgungsgrad bei Konsummilch stieg von etwas über hundert Prozent in den 90er-Jahren auf 167 Prozent im Jahr 2013, so die Agrarmarkt Austria. Die Milchpreise für die Bauern sind seit dem Vorjahr um fast 20 Prozent gesunken. Allein in der Steiermark wurden laut Kleiner Zeitung von den drei großen Verarbeitergenossenschaften (Berglandmilch, Obersteirische Molkerei und Ennstalmilch) fast 100 Mio. Euro in die Verarbeitung investiert.

Überproduktion

Solche Zusatzmengen sollen in den Export gehen, was sich aber als schwieriger erweist als am Schreibtisch erdacht. Die Ausfuhren zu steigern ist erklärtes Ziel auch einer Reihe anderer EU-Staaten, vor allem Deutschland. Der russische Hoffnungsmarkt ist aufgrund des Putin-Embargos versperrt. Jetzt fokussiert sich alles auf China. Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP), der erst kürzlich im Land der Mitte war, sieht boomende Möglichkeiten für Milch und Käse: China werde „Milch aus Europa absaugen„, sagte er. Doch dürfte der Export nach China keine g’mahte Wies’n sein: China hat selbst Strukturen aufgebaut, und vor allem haben neuseeländische Molkereien den chinesischen Markt für sich entdeckt.

Hohe Qualität

Es ist das Qualitätsargument, mit dem die Branche in Österreich gegenüber der Konkurrenz punkten will. Schließlich gehen schon heute 48 Prozent der Milch als Käse oder Joghurt in den Export. Man habe sich da eine sehr gute Position erarbeitet, erläuterte Landwirtschaftskammerpräsident Hermann Schultes (ÖVP) kürzlich. Er verweist auf gentechnikfreie Fütterung, hohe Hygienestandards und keine Antibiotika.

Teure Standards

Gerade diese – teuren – Standards könnten bei einem liberalisierten Markt, der fast ausschließlich über den Preis tickt, gefährdet sein. Dies befürchtet der grüne Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber. „Die Milchindustrie will Milch als billigen Rohstoff. Wir wollen Milch dort produziert sehen, wo es Sinn macht: in Bergregionen, auf Dauergrasland in Grünlandregionen, aber nicht in Betonhallen in Hafennähe mit importiertem Sojafutter aus Lateinamerika und den USA“, meint er scharf in einer Aussendung.

Gefährdete Almbewirtschaftung

Die ÖVP-EU-Abgeordnete Elisabeth Köstinger sorgt sich um die Almbewirtschaftung. In Österreich würden 88 Prozent der Kuhmilch in benachteiligten Regionen wie Berggebieten produziert, dies müsse auch beim Auslaufen der Quote so bleiben. Negative Auswirkungen für die Milchbauern sollen deshalb abgefedert werden, so Rupprechter. Schwerpunkt ist dabei die Förderung für Betriebe in Almregionen und anderen benachteiligten Gebieten.

Für die bis April über der Quote angelieferte Milch werden die Bauern, so wie in den Vorjahren auch, heuer wieder zahlen müssen. Gerechnet wird mit 40 bis 42 Millionen Euro Strafzahlungen.

Gedanken zur Milchqualität, Qualität und Konsumentenverhalten

  • Mehr Milchertrag bedeutet mehr Kraftfutter, veränderte Haltungsbedingungen und vielleicht geringere Milchqualität – das sollte uns Konsumenten bewusst sein bzw. sollten wir hinterfragen.
  • Für besten Käse wird nur beste Alpen-Heumilch verwendet. Unsere Käsesorten stellen natürliche Produkte von höchster Qualität dar. Billige Massenmilch führt bei uns nicht zum gewünschten Käseerlebnis.
  • Die Vorarlberger Milchwirtschaft hat bereits in den vergangenen Jahren qualitativ aufgerüstet und setzt generell auf Spezialitäten statt Masse. Unsere Molkereien und Sennereien werden auch in Zukunft verstärkt darauf setzen, sich in den regionalen und europäischen Spezialitätenmärkten noch besser zu positionieren (Quelle: Landwirtschaftskammer Vorarlberg)
  • „Der Wegfall der mengenbegrenzenden Maßnahmen bringt auch mehr Druck auf den regionalen Milchmarkt. Der Preiskampf wird zunehmen. Fast die Hälfte unserer Bauernfamilien sind im Milchsegment tätig. Für sie geht es um die Existenz ihrer Betriebe. (Quelle: Landwirtschaftskammer Vorarlberg)
  • Für Vorarlberg geht es um den Erhalt eines bedeutenden Wirtschaftszweiges, um die Erhaltung der Vielfalt an Milch- und Käsespezialitäten und um die Aufrechterhaltung der Bewirtschaftung unserer Alpen und Grünlandflächen. (Quelle: Landwirtschaftskammer Vorarlberg)

Interessante Links zum Thema Milch und Milchqualität

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